Zwischen Abschied und Aufbruchzurück
Der erste G9-Abitur-Jahrgang wird feierlich verabschiedet
Mit festlichen Klängen der Trompete eröffnete Abiturient Tamas Weisz die diesjährige Abiturzeugnisverleihung, die am 26.06.2026 in der Aula des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums Neu-Ulm stattfand, bevor das Bläser-Ensemble unter der Leitung von Herrn Weiss den musikalischen Rahmen für eine Feier schuf, die ganz im Zeichen von Abschied, Dankbarkeit und neuen Perspektiven stand.
Zu Beginn begrüßte die Oberstufenkoordinatorin Frau Möbus die zahlreichen Gäste und nutzte die Gelegenheit, all jenen zu danken, die zum Gelingen des Abiturs und der Feier beigetragen hatten.
Nach einem weiteren musikalischen Beitrag des Bläser-Ensembles richtete der Vorsitzende des Elternbeirats, Herr Walz, das Wort an die Absolventinnen und Absolventen. Er bezeichnete den Tag als einen Moment voller Freude, Stolz und Erleichterung: Ein Ziel sei erreicht, gleichzeitig ende ein Lebensabschnitt, der viele Jahre selbstverständlich gewesen sei. Dabei machte er den jungen Erwachsenen Mut, den eigenen Weg auch dann zu gehen, wenn dieser noch nicht klar vor ihnen liege. Orientierungslosigkeit gehöre zum Erwachsenwerden dazu – die wenigsten hätten ihren Lebensweg bereits vollständig geplant, und häufig komme ohnehin alles anders als gedacht. Gerade in einer Zeit, die von sozialen Medien, Künstlicher Intelligenz, politischen Krisen und globalen Herausforderungen geprägt sei, brauche die Welt Menschen, die kritisch hinterfragen, Haltung zeigen und bereit seien, aus Fehlern zu lernen. Mit seinem Dank an Lehrkräfte, Eltern und Familien schloss er seine Rede mit dem Wunsch nach Mut, Neugier, Gelassenheit und einem Leben, das Sinn stiftet.
Auch die Schulleiterin Sabine von Appen sprach über Verantwortung – allerdings in einer besonderen Doppelrolle. Als Mutter eines Abiturienten hatte sie sich in allen das Abitur betreffenden Entscheidungen vertreten lassen und konnte den Tag somit nicht nur als Schulleiterin, sondern auch als Elternteil erleben. Sie erinnerte daran, dass Eltern und Lehrkräfte stets versucht hätten, das Beste für die Schülerinnen und Schüler zu erreichen – auch wenn dies nicht immer unmittelbar so wahrgenommen werde. Nun seien die Absolventinnen und Absolventen erwachsen und frei, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Freiheit bedeute jedoch immer auch Verantwortung und finde dort ihre Grenzen, wo sie die Freiheit anderer berühre. Mit Blick auf modernen Unterricht warb sie dafür, Generalisierungen und Polarisierungen zu hinterfragen und differenziert zu denken. Besonders hob sie den außergewöhnlichen sozialen Zusammenhalt des Jahrgangs hervor. Das Show Café habe eindrucksvoll Lebensfreude und Verantwortungsbewusstsein gezeigt, ebenso die Mottowoche, in der der Jahrgang bewiesen habe, dass Regeln und Gemeinschaft kein Widerspruch seien und niemand ausgegrenzt werde. Abschließend gab sie die Verantwortung für den Jahrgang symbolisch ab und ermutigte die Absolventinnen und Absolventen, weniger angepasst zu sein, den Mut zum eigenständigen Denken zu bewahren und sich jene Lehrkräfte zum Vorbild zu nehmen, die ihnen genau dieses Denken vermittelt hätten. Intelligenz, Stärke und Empathie seien die Eigenschaften, die unsere Gesellschaft heute besonders brauche.
Nach dem Auftritt der Low-Budget-Band mit Teenage Dirtbag blickten die beiden Jahrgangsstufensprecher auf ihre gemeinsame Schulzeit zurück.
Simon Wiesenmaier beschrieb das Ende der Schulzeit als Abschluss eines Lebensabschnitts, der einerseits unendlich lang erschienen sei und gleichzeitig viel zu schnell vergangen sei. Besonders die vergangenen beiden Jahre hätten den Jahrgang eng zusammengeschweißt – beim Lernen, Feiern, Diskutieren und Lachen. Er zeigte sich stolz und dankbar, Teil dieser „legendären Truppe“ gewesen zu sein, und dankte Lehrkräften, Eltern und Familien für ihre stetige Unterstützung, gerade in Momenten des Zweifelns. Abschließend stellte er fest: Früher habe man die Schule verlassen dürfen – heute müsse man sie wirklich verlassen. Während die Schule gelehrt habe, die richtigen Antworten zu finden, beginne nun die eigentliche Aufgabe: die richtigen Fragen zu stellen.
Emilia Schroeder griff den Gedanken auf, dass nicht das Ziel allein zähle, sondern der gemeinsam zurückgelegte Weg. Rückblickend seien es nicht Klausuren oder Noten, die in Erinnerung blieben, sondern die vielen kleinen Momente des Schulalltags – Gespräche in den Pausen oder gemeinsames Karaoke mit über 60 Mitschülerinnen und Mitschülern. Sie dankte allen Eltern für Geduld, Verständnis und den Rückhalt während der Schulzeit. Aus ihrer Perspektive als Schülersprecherin richtete sie ihren Dank zudem ausdrücklich an die Schulleitung für die oft unsichtbare Arbeit hinter den Kulissen. Vieles sehe man als Schülerschaft nur im Ergebnis, nicht aber den organisatorischen Aufwand, der dahinterstehe. Zum Abschluss zeigte sie sich überzeugt, dass der Jahrgang auch künftig verbunden bleiben werde – selbst wenn man sich nicht mehr regelmäßig sehe.
Mit Party in the USA sorgte die Band anschließend noch einmal für ausgelassene Stimmung, bevor die Oberstufenkoordinatorin Schülerinnen und Schüler ehrte, die sich über viele Jahre hinweg in besonderer Weise für das Schulleben engagiert hatten. Ausgezeichnet wurden Mitglieder des Sanitätsdienstes, des Technik-Teams, des Vokal-Ensembles, des Chors, der Band, der Digitalen Helden sowie der SMV. Die jeweiligen AG-Leiterinnen und AG-Leiter fanden dabei sehr persönliche und emotionale Worte. Besonders bewegend war der Dank der Verbindungslehrkräfte an die Schülersprecher und SMV-Mitglieder mit den Worten: „Ihr hinterlasst riesige Fußstapfen.“ Auch die Jahrgangsstufensprecher und ihre Stellvertretung wurden für ihren außergewöhnlichen Einsatz – unter anderem bei der Organisation der Studienfahrt – besonders gewürdigt.
Im Anschluss standen die schulischen Leistungen im Mittelpunkt. Alle Absolventinnen und Absolventen mit einem Abiturdurchschnitt von 1,6 oder besser erhielten ein e-fellows.net-Online-Stipendium. Der Vorsitzende des Fördervereins, Herr Mayer, zeichnete darüber hinaus besondere Leistungen aus und würdigte zugleich den starken Gesamtdurchschnitt des Jahrgangs von 2,03. Gleich vier Absolventinnen erreichten die Traumnote 1,0: Helena Auer, Annabella Faul, Svenja Margraf und Jovana Stoimenov. Gleichzeitig betonte Herr Mayer, dass alle Absolventinnen und Absolventen stolz auf ihre Leistung sein könnten.
Weitere Auszeichnungen folgten für besondere fachliche Erfolge: Der Weisgräber-Preis wurde für das beste Deutsch-Abitur verliehen, der Käpsele-Preis – gestiftet von BS Software Development – würdigte herausragende Leistungen im Mathematik-Abitur, in dem beeindruckende sieben Schülerinnen und Schüler die Höchstpunktzahl von 15 Punkten erreichten. Darüber hinaus ehrten die jeweiligen Kursleiterinnen und Kursleiter die besten Absolventinnen und Absolventen der Leistungsfächer Physik, Sport, Wirtschaft und Recht, Englisch, Biologie und Kunst.
Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete schließlich die feierliche Überreichung der Abiturzeugnisse. Stolze Siegesposen und strahlende Gesichter zeugten dabei von der enormen Freude der Absolventinnen und Absolventen über das Erreichte.
Nach einem letzten musikalischen Beitrag der Band endete die Veranstaltung in festlicher Atmosphäre, bevor Schülerinnen und Schüler, Familien, Lehrkräfte und Gäste die Feier bei einem gemeinsamen Buffet und vielen persönlichen Gesprächen ausklingen ließen.
Mit dem Abitur endet für den Abitur-Jahrgang 2026 die Schulzeit – nicht jedoch das Lernen. Die Feier machte deutlich, dass die Schule ihren Absolventinnen und Absolventen weit mehr mitgegeben hat als Zeugnisse und Noten: Verantwortung zu übernehmen, Gemeinschaft zu leben und den Mut zu haben, den eigenen Weg zu finden.
