Zeitzeuge des Dritten Reichs zu Besuch an BvSGzurück

Kindheit und Jugend in Neu-Ulm zur Zeit des Dritten Reichs

Der Montag Nachmittag bot in zweierlei Hinsicht eine ganz besondere Veranstaltung für die Klassen 9c und 9d unseres Gymnasiums. Zum einen war dies ein besonderer Besuch, da man nur noch selten Zeitzeugen des Dritten Reiches zur Verfügung stehen, zum anderen, da Herr Finkbeiner über sein Leben als Kind und Jugendlicher in unserer Region berichtete. Durch seine Schilderungen wurde das Thema der Jugend im Dritten Reich in der Geschichte Ulms und Neu-Ulms anschaulich und lebendig. Wolfgang Finkbeiner, Jahrgang 1928, berichtete engagiert und   detailreich über seine Zeit als Hitlerjunge und Luftwaffenhelfer und unterstütze seinen Vortrag mit Bildern aus der Zeit. Seine Jugend sei durch ständige Einbindung und Dienste in Schule und vor allem in der Hitlerjugend sowie durch seine Dienstpflicht als Luftwaffenhelfer geraubt worden. Er selbst war schließlich als Luftwaffenhelfer Mitte September 1944 bei einem Bombenangriff auf seine Flakstellung auf dem Gelände des heutgen Blautalcenters verschüttet worden. Glücklicherweise hatte sich ein Schulkamerad erinnert, wo sich sein „Einmann-Loch“, in das die Buben beim Angriff fliehen mussten, war und er wurde wieder ausgegraben. Dieser Tag sei sein zweiter Geburtstag gewesen und noch heute bekommt er von einem alten Schulkamerad jedes Jahr eine Glückwunschkarte zu diesem besonderen Datum. Er erlebte zudem die fast völlige Zerstörung Ulms und auch seine Familie wurde ausgebombt, so dass sie bei Bekannten im Umland notdürftig unterkommen mussten. Seine vielfältigen Erfahrungen hat er auch in zwei Publikationen, „Luftwaffenhelfer aus Ulm und Neu-Ulm“ und „Betrogene und missbrauchte Jugend zur Zeit des Dritten Reiches“ niedergeschrieben. Dazu bewegt haben ihn der Aufstieg des Rechtspopulismus in Europa, für den er überhaupt kein Verständnis zeigt. Der Nationalsozialismus habe unsägliches Leid auf fast jede Familie in Deutschland gebracht und zum Tod von schätzungsweise 55 Millionen Menschen während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich beigetragen. Damit so ein Gedankengut in Deutschland nicht wieder mehrheitsfähig wird, hat Herr Finkbeiner seine Erlebnisse nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und hört auch mit über 90 Jahren nicht auf, die heutige Jugend über die damalige Zeit aufzuklären. Herr Finkbeiner, vielen Dank dafür!
Ingo Sand