Wuppertal 2025 – Meine Erfahrung beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert – nur Musik?zurück

Jugend musiziert ist eine von der Kultusministerkonferenz festgelegte Jugendbildung und findet seit 1964 jährlich statt. Der dreistufige Wettbewerb, der zunächst auf Regionalebene, dann Landesebene und schließlich zum Bundeswettbewerb einlädt, soll die Popularität musikalischer Bildung zeigen, Neugier und Interesse wecken und Kinder und Jugendliche motivieren, sich mit Musik zu beschäftigen, gemeinsam zu musizieren und mit Fleiß besonders künstlerische Leistungen zu erreichen. Jeder kann bis 27 Jahre mitmachen. Die gemeinnützige Organisation hat ein Gesamtbudget für den Wettbewerb 2025 von ca. 1,7 Mio Euro.

Jedes Jahr lädt Jugend musiziert Kinder und Jugendliche in über 30 verschieden Kategorien ein. Diese Kategorien rotieren im 3-Jahres-Rhythmus und sollen das Miteinander fördern, da man nur aller 3 Jahre als Solist mit seinem Instrument teilnehmen kann, dazwischen aber in verschiedenen Ensemble-Konstellationen. Es werden Musikrichtungen von Klassik bis Pop abgedeckt. Die Teilnehmer spielen einer Jury Musikstücke aus unterschiedlichen Epochen vor. Die Länge des Programms richtet sich nach der Altersgruppe und den Anforderungen der einzelnen Kategorien und beträgt im Schnitt 15 bis 20 Minuten. Die Altersgruppen Ia bis VII sind nach Geburtsjahr eingeteilt. Hierbei sind in der Regel immer zwei aufeinander folgende Geburtsjahre in einer Kategorie (z.B. AG III für die 13- 14jährigen mit Geburtsjahr 2010 und 2011) eingeteilt.

Beim Wettbewerb werden die Leistungen der jungen Musikerinnen und Musiker von einer Jury bewertet. Die Jury vergibt Punkte für verschiedene Kriterien wie Technik, Ausdruck, Interpretation und Bühnenpräsenz. In der Regel gibt es eine Skala von 1 bis 25 Punkten. Gespielt und miteinander vergleichen wird die Jury immer gleiche Altersgruppen, das ist auch fair, da in der Regel ein z.B.16jähriger Jugendlicher oft besser/anders spielt oder mehr Erfahrung hat als ein 12jähriger.

Der Wettbewerb gliedert sich in drei Phasen: Zunächst wird er auf Regionalebene ausgetragen, in etwa 140 Regionen Deutschlands und an etwa 30 Deutschen Schulen im europäischen Ausland. Es gibt insgesamt rund 170 Regionalwettbewerbe. Die Träger eines „1. Preises auf Regionalebene“, die 23 Punkte oder mehr erreicht haben, werden ab Altersgruppe II und einer bestimmten Punktzahl zum jeweiligen Landeswettbewerb „weitergeleitet“, die Träger eines „1. Preises auf Landesebene“, die 24 Punkte oder mehr erreichten, werden ab Altersgruppe III zum Bundeswettbewerb nominiert und dann ggf. zu diesem eingeladen. Die Solo- und Ensemble-Kategorien wechseln in einem dreijährlichen Turnus.

Nach 190 Wettbewerben mit über 12000 Jugendlichen auf Regional- und Landesebene inclusive der deutschen Schulen im Ausland ist somit der Bundeswettbewerb die letzte Stufe auf nationaler Ebene. Insgesamt über 7 Tage, immer in einer anderen Stadt/ einem anderen Bundesland, werden ca. 1800 Musiker und Musikerinnen in über 20 Kategorien und bis zu 5 Altersgruppen in 17 Wertungshäusern mit 20 Wertungsräumen miteinander verglichen. Gespielt wird ein Programm von durchschnittlich 15-20 Minuten Dauer, in der Regel auswendig. Die Wertungen erfolgen durch eine mindestens 4köpfige Jury, die sehr divers besetzt ist hinsichtlich Alter, Erfahrung und Position.

Dieses Jahr waren vom 5. bis 11. Juni über 1.800 Jugendliche in der Stadt Wuppertal im Rahmen des 62. Bundeswettbewerbs Jugend musiziert eingeladen. Dieses Jahr auch Wertungen für Soloinstrumente wie meine Geige. Im folgenden Jahr 2026 kommen dann Ensemblespiel z.b. im Geigenduo oder als Trio/Quartett etc. Im darauffolgenden Jahr 2027 dann die Kategorie Geige mit Klavier (also als Duospiel, am besten mit einem gleichalten Partner) und dann geht alles wieder von vorne los.

Ich selbst war mit einem Teil meiner Familie, meiner Geigenlehrerin sowie der begleitenden Pianistin in Wuppertal, wir sind am Tag vor meinem Wertungsspiel ca. 6 Stunden nach Wuppertal gefahren, dort hatten wir ein ganz kleines, sehr altes Hotel mit hellhörigen Zimmern (nicht gut für andere Hotelgäste, auch wenn mein Üben im Hotelzimmer eigentlich nicht stören sollte). Nach einer kurzen Nacht mussten wir sehr früh raus da ich schon kurz nach 9 Uhr zur Wertung dran war. Davor konnte ich mich knapp 30 min mit meiner Klavierbegleiterin einspielen. Beeindruckend fanden wir in Wuppertal die schönen, alten Räume (Baujahr 18. Jahrhundert) und beeindruckende, üppig ausgestaltete Konzertsäle. Die allseits gelobte Schwebebahn konnten wir allerdings nicht mehr ausprobieren, da wir am folgenden Tag bereits zurückfuhren. Da ich leider im Verlauf des Wettbewerbes relativ spät drankam, konnte ich nicht mehr viele andere Wertungen aus meiner Altersklasse anhören. Dafür aber in den höheren Kategorien, was auch sehr interessant war.

Wuppertal war eine tolle Erfahrung für mich, zum einen war es sehr interessant, zu sehen, wie gut (😊) oder auch schlecht (😊) andere meines Alters spielen, wie sie ihr Hobby und die Schule gut unter einen Hut bekommen, was sie für ein Programm spielen und wie sie die Stücke vorspielen. Interessant ist es oftmals auch, wenn jemand das gleiche Programmstück wie man selbst spielt, dann zu vergleichen was der andere besser oder anders macht als man selbst. Über  meinen eigenen Bundespreis habe ich mich sehr gefreut.

Ich möchte abschließend kurz meiner Schule und der Schulleitung danken, dass sie mich immer einmal wieder für die Musik freigestellt haben.

Wenn du gerne musizierst und Spaß daran hast, dein Können zu zeigen, ist „Jugend musiziert“ eine tolle Gelegenheit! Es ist nicht nur eine Chance, dein Talent zu präsentieren, sondern auch, neue Freunde zu treffen, von anderen zu lernen und dich musikalisch weiterzuentwickeln. Außerdem macht es richtig Spaß, sich auf den Wettbewerb vorzubereiten und am Ende eine schöne Bewertung oder einen Preis zu bekommen. Es ist eine Erfahrung, die dich motiviert, noch besser zu werden, und dir zeigt, wie viel Freude Musik machen kann.

Viktoria Höck, 29.6.2025