UNESCO-Projekttage am Bertha-von-Suttner-Gymnasiumzurück
Zwei Tage, siebzehn Ziele, ein gemeinsames Anliegen
Am Ende des Schuljahres öffneten sich für zwei Tage die Türen zu einer anderen Art des Lernens: An unserer Schule fanden am 27. und am 29. Juli 2026 die diesjährigen UNESCO-Projekttage statt, an denen Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen teilnahmen. Im Zentrum standen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UNESCO, denen sich jede Jahrgangsstufe auf ihre eigene Weise näherte.
Die Fünftklässler machten mit den UNESCO Basics ihre ersten Schritte in die Thematik, während die sechsten Klassen im Rahmen eines Welt-Café über Zusammenleben in Vielfalt ins Gespräch kamen. Die siebten Klassen beschäftigten sich gemeinsam mit den Digitalen Helden mit Chancen und Risiken der digitalen Welt, und die achten Klassen setzten sich mit dem Projekt Hidden Codes kritisch mit Extremismusprävention auseinander.
In der neunten Jahrgangsstufe stand ein Planspiel zu erneuerbaren Energien auf dem Programm, während die zehnten Klassen sich mit Bildmanipulation befassten und ihre Ergebnisse anschließend auf Plakaten präsentierten. Die elften Klassen widmeten sich an zwei unterschiedlichen Tagen dem Thema nachhaltiger Verkehr: Am 27. Juli ging es um Sicherheit und Verantwortung für Jugendliche und junge Erwachsene sowie um ein Planspiel zur Verkehrswende.
Unfallprävention und Verkehrswende – stop and go?!
Alle kennen das Szenario: Die Bahn ist unpünktlich, und der Termin wird verpasst; Stau auf der A8, und eine Verabredung platzt und überhaupt, wie komme ich abends ins Theater, wenn in der Nachbarstadt Ulm pro Tag gefühlt zehn Baustellen dazu kommen?
Beim Thema nachhaltige Mobilität und Verkehrswende denken viele in erster Linie an E-Autos und eine gute Infrastruktur. In dem Planspiel ‘Güterverkehr – Politik als Verhandlungssache lernen’ lag der Fokus aber nicht auf dem Personen- sondern auf dem Güterverkehr, denn dieser wächst enorm, wird aber eher übersehen. Die Bestellung wird mit einem Klick im Internet aufgegeben, und im besten Fall wird am nächsten Tag ins Haus geliefert. Aber was bedeutet das für Umwelt und Verkehrssysteme?
Unsere Schülerinnen und Schüler schlüpften in die Rollen verschiedener Verkehrs- und Umweltverbände und mussten mehr Geld für den Ausbau der Infrastruktur und die Modernisierung ihrer Verkehrssysteme – Schiene, Straße, Binnenschifffahrt, Radewege etc. – erstreiten. Die beiden Ministerien – das Verkehrs- und das Umweltministerium – entscheiden über die Verteilung der 50 Milliarden EUR nach der Anhörung der Interessensverbände. So mussten auch die Schüler zwangsläufig verhandeln. Es wurden Forderungen gestellt, Argumente geliefert, sachlich diskutiert, aber auch lauthals gestritten. Am Ende entschieden die Ministerien über die Verteilung der Gelder.
Beim Thema Unfallprävention ging es um mehr Sicherheit und Verantwortung für junge Erwachsene im Straßenverkehr. Das Bayerische Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung geht davon aus, dass sich noch öfter schwere bzw. Unfälle mit tödlichem Ausgang vermeiden ließen, wenn man sich über die Unfallursachen im Klaren ist: Geschwindigkeitsrausch nach einem Disco-Besuch, Ablenkung durch das Smartphone, Alkohol und Drogen und last but not least die Rolle der Mitfahrer. Verantwortung für sich und andere übernehmen, das war das Ziel der Veranstaltung. Am Ende gingen die Schüler noch eine Checkliste durch: Wer im Straßenverkehr Rücksicht, Respekt und Ratio übt, hat gute Chancen, sicher ans Ziel zu kommen.
Am 29. Juli folgte ein Projekttag zur Gesundheitsförderung und Prävention.
Im Rahmen dieses Projekttags setzten sich die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe im Workshop „Unter Druck – Wenn Ehrgeiz zur Belastung wird“ mit den Ursachen und Folgen von Leistungsdruck auseinander. Gerade mit Blick auf die bevorstehende Qualifikationsphase, in der jede Leistung für das Abitur zählt, erleben viele Jugendliche einen hohen Erwartungsdruck – sei es durch Schule, eigene Ansprüche oder das Bedürfnis, Familie, Freundschaften, Hobbys, Nebenjob und weitere Verpflichtungen wie beispielsweise den Führerschein miteinander vereinbaren zu müssen.
Ausgehend von den eigenen Erfahrungen der Teilnehmenden wurden zunächst typische Stressfaktoren gesammelt und anschließend hinterfragt, wodurch Stress entsteht und wann gesunder Ehrgeiz in problematischen Perfektionismus umschlagen kann. Anhand verschiedener Methoden und einer anschaulichen Kisten-Metapher wurde deutlich, wie sich Belastungen im Alltag aufeinanderstapeln und wie schnell daraus das Gefühl entstehen kann, von den eigenen Verpflichtungen erdrückt zu werden.
Gemeinsam erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler Strategien, um einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken. Dazu gehörten unter anderem, die eigenen Stressfaktoren frühzeitig wahrzunehmen, Warnsignale bei sich selbst und anderen ernst zu nehmen, Prioritäten zu setzen, realistische Ziele zu formulieren, bewusst Grenzen zu ziehen und auch einmal „Nein“ zu sagen. Ebenso wurde deutlich, wie wichtig ausreichend Erholung, soziale Unterstützung und ein gesunder Ausgleich zum Schulalltag sind. Ziel des Workshops war es, die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, dass gute Leistungen nicht durch ständige Selbstüberforderung oder den Versuch entstehen, allen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden – sei es durch sozialen Druck, familiäre Erwartungen, den Einfluss sozialer Medien oder hohe Zugangshürden wie den Numerus clausus –, sondern durch einen verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen Kräften und Grenzen. Denn niemand muss perfekt sein.
Des Weiteren wurde von Herrn Thomann ein Workshop zum Thema „Glück“ angeboten. Er erklärt: „Der UNESCO-Tag gab mir die Gelegenheit, über ein Unterrichtsthema zu sprechen, das mir schon seit vielen Jahren am Herzen liegt, das Thema Positive Psychologie. Während ich es im nächsten Jahr im Rahmen eines W-Seminars vertieft besprechen werde, so konnte ich an diesem Tag die wichtigsten Erkenntnisse mit jeweils vier gemischten Gruppen aus den elften Klassen anreißen.
Den Schülern wurden die Konzepte von Flow, Charakterstärken, dem PERMA-Modell und Dankbarkeit vorgestellt und sie konnten ihre bisherigen Erfahrungen damit gemeinsam reflektieren und lernten die Grundlagen, wie sie ihr Lebensglück im späteren Leben reflektieren können.
Eine Dreiviertelstunde ist eine sehr kurze Zeit, um ein großes und wichtiges Thema zu behandeln, aber ich freue mich, dass die Schüler an diesem Vormittag fünf unterschiedliche Perspektiven auf das Thema „Wohlbefinden“ betrachten konnten.
Ich hoffe sehr, dass sie die für sie selbst wichtigsten Aspekte daraus mitnehmen konnten und diese im späteren Leben umsetzen können.“
Zudem nahmen die Elftklässler am Workshop „Fake News zu Gesundheit im Internet erkennen“ teil. Geleitet wurde der Workshop von zwei externen Referentinnen des Helmholtz Munich, die den Jugendlichen einen Einblick in die Entstehung, Verbreitung und Wirkung von Falschinformationen im Gesundheitsbereich vermittelten.
Ausgehend von aktuellen und alltagsnahen Beispielen setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Frage auseinander, was Fake News und Verschwörungstheorien zu Gesundheit und Krankheit ausmacht. Dabei wurde deutlich, dass Falschinformationen häufig sehr emotional aufbereitet werden, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, Menschen zu beeinflussen oder wirtschaftliche Interessen, etwa den Verkauf bestimmter Produkte, zu verfolgen.
Gemeinsam erarbeiteten die Teilnehmenden, welche Folgen die Verbreitung falscher Gesundheitsinformationen haben kann. Neben gesundheitlichen Risiken können Fake News auch zu hohen finanziellen Belastungen sowie zu Konflikten innerhalb von Familien, Freundeskreisen oder der Gesellschaft führen. Ziel des Workshops war es, die Medienkompetenz der Jugendlichen zu stärken und sie dafür zu sensibilisieren, Gesundheitsinformationen im Internet kritisch zu hinterfragen und seriöse Quellen von irreführenden Inhalten zu unterscheiden.
Überdies gab es den Workshop „Achtsamkeit in der Oberstufe“: Gut vorbereitet für die Q-Stufe.
Wie kann ich in stressigen Situationen Ruhe bewahren? Wie gelingt es, die Konzentration zu stärken und Herausforderungen gelassener zu meistern? Diesen Fragen gingen die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe im Workshop „Achtsamkeit in der Oberstufe“ nach.
Zu Beginn beschäftigten sich die Jugendlichen mit der Definition von Achtsamkeit. Dabei wurde deutlich, dass Achtsamkeit bedeutet, den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen und Gedanken, Gefühle sowie Körperempfindungen aufmerksam und ohne vorschnelle Bewertung zu beobachten. Gerade mit Blick auf die bevorstehende Qualifikationsphase können diese Fähigkeiten helfen, den schulischen Herausforderungen mit mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen zu begegnen.
Anschließend wurde die Theorie in der Sporthalle praktisch erfahrbar. Auf Matten probierten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Übungen aus den unterschiedlichen Bereichen der Achtsamkeit aus.
Im Bereich der Atemübungen stand die Strohhalm-Atmung im Mittelpunkt. Durch ein bewusst verlangsamtes Ausatmen wurde die Wirkung einer ruhigen und kontrollierten Atmung unmittelbar spürbar.
Unter dem Motto „Atem und Körper verbinden“ lernten die Jugendlichen die Denkmütze, die Grasmeditation und den Augen-Break kennen. Diese Übungen fördern die Wahrnehmung des eigenen Körpers, unterstützen die Konzentration und bieten kleine Auszeiten im oft hektischen Schulalltag.
Der Themenbereich Impulskontrolle zeigte Wege auf, mit starken Emotionen und Stresssituationen bewusst umzugehen. Dazu wurden unter anderem das Klopfen der Thymusdrüse sowie die Übung „Faust öffnen“ durchgeführt, die helfen können, Anspannung wahrzunehmen und loszulassen.
Besonders aktiv wurde es beim Embodiment. Hier erfuhren die Schülerinnen und Schüler, wie eng Körperhaltung und innere Verfassung miteinander verbunden sind. Mit Übungen wie dem bewussten Lächeln, der Siegerpose, Shake it out, dem Körper wecken und dem Hampelmann wurde deutlich, wie Körperbewegungen das eigene Wohlbefinden und die Energie beeinflussen können.
Auch die Achtsamkeit in der Gemeinschaft spielte eine wichtige Rolle. Gemeinsam wurde darüber nachgedacht, wie Dankbarkeit, Wertschätzung und kleine freundliche Gesten im Alltag, sogenannte Random Acts of Kindness, das schulische Miteinander positiv prägen können. Ein Pleasure Walk lenkte den Blick auf die kleinen schönen Momente des Alltags. Darüber hinaus lernten die Schülerinnen und Schüler das Führen eines Achtsamkeitstagebuchs (Journaling) als Möglichkeit kennen, positive Erlebnisse und persönliche Gedanken bewusst festzuhalten.
Ein besonders passender Abschluss rundete den Workshop ab: Jede Schülerin und jeder Schüler erhielt ein kleines Tütchen Gummibärchen. Diese wurden nicht einfach nebenbei gegessen, sondern achtsam mit allen Sinnen wahrgenommen. Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie viel bewusster selbst alltägliche Erfahrungen erlebt werden können, wenn man sich Zeit nimmt und die Aufmerksamkeit ganz auf den Moment richtet.
Der Workshop vermittelte viele praktische Anregungen für mehr Konzentration, Gelassenheit und Selbstfürsorge im Schulalltag. Mit diesen Werkzeugen im Gepäck können die Schülerinnen und Schüler gestärkt und achtsam in die Q-Stufe starten.
Das Highlight des Tages war ein Workshop zum Thema Balance Boards.
Aber auch die zwölften Klassen blieben nicht untätig während der UNESCO-Tage. Sie nutzten die Zeit für die Arbeitsaufträge ihrer W-Seminarleiter.
So unterschiedlich die Themen und Formate waren, so einig waren sich am Ende alle: Die Projekttage boten abwechslungsreiche und lehrreiche Tage, in denen die Schülerinnen und Schüler sich intensiv mit Fragen globaler Verantwortung, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinandersetzen konnten – ein gelungener Abschluss des Schuljahres im Sinne der UNESCO-Idee.


