Nachlese

vergangene erwähnenswerte Veranstaltungen

Offen und ehrlich berichtete Herr Pietzner über seine Kindheit und Jugend in der DDR.

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Die Stasi und der Deutschaufsatz – Besuch von Zeitzeugen aus der DDR

Herr Pietzner und Herr Müller, zwei Väter von Schülerinnen der 10.Jahrgangsstufe, besuchten am 02. Juni das Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Ihr Besuch diente der Vertiefung des Themas „Alltag in der DDR“ aus dem Geschichtsunterricht der 10. Klassen.

Die beiden Zeitzeugen, die ihre Kindheit und Jugend in der DDR verbracht hatten, erzählten uns eine Schulstunde lang offen ihrem Leben und beantworteten hauptsächlich Fragen der Schüler zu ihren Erinnerungen an die ehemalige DDR.

Herr Pietzner erzählte aus seiner Jugend und betonte zuerst, dass man sich heute ein Leben wie in der DDR kaum mehr vorstellen könne und dass Geld damals keine große Rolle gespielt habe. Im Durchschnitt haben alle Bürger ungefähr gleich viel Geld gehabt. Es scheiterte also nicht am Geld, sondern an der fehlenden Reisefreiheit, dass Familie Pietzner kaum in den Urlaub reiste, und wenn, dann nur in den damaligen Ostblock, z.B. in die Tschechoslowakei.

Eine Frage, die die hauptsächlichen Unterschiede zwischen der DDR und der BRD betrifft, weckte großes Interesse bei den Zehntklässlern. Die fehlende Meinungsfreiheit war ein deutlicher Unterschied und erklärt, dass man sich in der DDR genau überlegen musste, was man sagte und wie man sich benahm, so Herr Müller, aufgewachsen in Karl- Marx- Stadt (Chemnitz). Er erzählte dazu, dass die Menschen in der ehemaligen DDR „Witze“ erfunden haben, um sich ihrer inneren Anspannung Luft zu machen, wie „Lieber Gott, mach mich stumm, dass ich nicht nach Bautzen komm“ (ein Gefängnis für politische Häftlinge). Herr Pietzner bekräftigte dessen Aussage, indem er uns klar machte, dass man aufgrund seiner Meinung auch Angst vor einer Verhaftung haben musste.

In der Schule wurde man im Sinne des Sozialismus indoktriniert. „Zu Schuljahresbeginn gab es morgens immer einen Appell“, begann Herr Pietzner aus seiner Schulzeit zu erzählen. Praktisch jeder war auch in der FDJ (Freie Deutsche Jugend). Er erwähnte zudem, dass alle Schulen der DDR den gleichen Lehrplan und dieselben Prüfungen hatten, die Klassen immer identisch blieben und nur Wenigen jährlich gestattet wurde, das Abitur zu machen und so frühzeitig die Schule zu wechseln. Wurde man nicht erwählt und wollte trotzdem Abitur haben, musste man nach der 10.Klasse auf die Erweiterte Oberschule wechseln. Abitur oder später dann ein Studium war nur möglich, wenn man Mitglied der FDJ war. Herr Müller wandte an dieser Stelle ein, dass er in der 8. Klasse einmal einen Deutschaufsatz über den Film „Holocaust“ schrieb und trotz seiner guten Leistung nur „ausreichend“ bekam, da er geschrieben hatte, dass er den Film im Westfernsehen gesehen hatte. Dies hatte ihm die Lehrerin im Vertrauen nach der Herausgabe zugeflüstert. Herr Pietzner hasste vor allem auch das Unterrichtsfach Wehrkunde, wo man nur Rennen , Schießen und Gehorchen lernte. Eine weitere Gängelung der Menschen betrifft die damalige Partei SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Herr Pietzner erzählte, dass man fast gezwungen war einzutreten, da man sonst fast gar keine Chance auf Karriere hatte. Da Herr Pietzner sich weigerte der Partei beizutreten, durfte er als Konsequenz nicht mehr seinen Hobbys (wie z.B. Handball oder Seesport) auf Wettkampfebene nachgehen. Doch auch im Privatleben wurde die Gesinnung immer kontrolliert.

Ein System von “Spitzeln“, welche an den Nationalsozialismus erinnern, war zu dieser Zeit in der DDR auch organisiert. Durch Herrn Pietzners abweichende politische Meinung war die Stasi auf ihn aufmerksam geworden. Der Zeitzeuge vertraute uns sogar an, dass seine damalige Freundin, mit der er zusammen wohnte und ein Kind hatte, informelle Mitarbeiterin der Stasi war und ihn ausspionierte. Er fand dies heraus, indem er ihr – misstrauisch geworden – mehrere Male folgte und beobachtete, wie sie in ein Haus der Stasi verschwand. Dies bedeutete dann auch das Ende ihrer Beziehung.

Zudem wurde nach dem Verhältnis zu den Eltern Herrn Pietzners und Herrn Müllers gefragt. Herr Müller beschrieb seine Kindheit trotzdem als glücklich. Seine Eltern seien mit dem politischen System nicht einverstanden gewesen, hätten jedoch auch nicht aktiv protestiert, „sie waren eben die typischen Mitläufer“, so Herr Müller. Im Gegensatz dazu erzählte Herr Pietzner, dass er schon immer und auch bis heute kein gutes Verhältnis zu seinen Eltern habe. Beide seien Mitglieder der SED gewesen, da, wie Herr Pietzner erklärte, sein Vater sonst nicht hätte Meister in einer Werkstatt werden können. Seine Eltern redeten jedoch auch nicht über ihre politischen Meinungen. Noch interessant ist, dass Herr Müller den Mauerfall als Endpunkt eines schleichenden Prozesses bezeichnet.

ANTONIE AST

Zu Besuch beim Europabüro Ulm

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Schülervortrag im Europabüro Ulm

Das Europabüro Ulm berät zu Europafragen für Bürgerschaft und Vereine und leistet Öffentlichkeitsarbeit für Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Zudem koordiniert es die Vernetzung der europäischen Aktivitäten Ulms und arbeitet an internationalen Projekten mit.

Auch unseren Schülern stand es schon mit Rat und Tat zur Seite, z.B. bei der Literaturbeschaffung für Schüler, die ihre Seminararbeiten schrieben. Zudem waren wir im Rahmen von Sozialkunde schon bei der Informationsveranstaltung Wege ins Ausland und der Ausstellung Konrad Adenauer und die Europäische Integration. Hierzu gehört auch das abgebildete Foto, das Schülerin einer Q12 beim Vortrag ihrer Arbeitsergebnisse in der Ausstellung zeigt.

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Im Oktober 2015 besuchte die Klasse 6b das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen. Hier konnten die Schüler viel über die Lebens- und Arbeitsweisen in dieser prähistorischen Zeit lernen – und selbst Hand anlegen.

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Am 26.Januar 2016 besuchte die Klasse 10b den Bayerischen Landtag. Hier erfuhren die Schüler vor Ort, wie ein Parlament funktioniert und Landespolitik gestaltet wird.

Im Mädchenparlament 2015 wurde der Arbeitstag einer Abgeordneten im Bayerischen Landtag durchgespielt. Nach einer Einführung im Plenarsaal arbeiteten alle 180 Teilnehmerinnen in Arbeitsgruppen und erstellten Anträge für die abschließende Plenarsitzung, wo über diese diskutiert und abgestimmt wurde. Hier finden Sie die Bilder und Impressionen:

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Die vier Berthanerinnen mit Frau Strohmann 2015

Luise Müller:

Ich fand eigentlich die Plenardebatte am besten und die Themen waren sehr interessant und gingen uns auch was an. Es war voll gut, dass wir auch was mitbestimmen durften!“

Verena Flitsch:

Das Landtagsgebäude zu besuchen und selbst in einem der Sitze im Plenarsaal Platz zu nehmen, war ziemlich beeindruckend. Wir Mädchen haben uns, obwohl wir aus den verschiedensten Ecken Bayerns kamen, in unseren „Ausschüssen“ alle auf Anhieb gut verstanden. Es war interessant, mit so vielen Mädchen über die Themen zu diskutieren und einen Einblick in den Arbeitstag eines Abgeordneten zu bekommen.“

Laetitia Kleinhans:

Ich hatte nicht gedacht, dass es so interessant und lustig werden würde. Es hat echt Spaß gemacht. Besonders gut fand ich die Diskussion in der Ausschusssitzung.“

Lisa Bader:

Es war ein ereignisreicher Tag. Interessant war es, sich in den Alltag eines
Politikers hinein zu versetzen und die eigene Meinung im Plenarsaal, den ich
sehr beeindruckend fand, kund zu tun.
Diese Gelegenheit bekommt man nicht alle Tage, deshalb bin ich froh, dabei
gewesen sein zu dürfen. Ich nehme viele Eindrücke mit.“

Die Landtagsausschüsse tagten mit je einer „echten“ Abgeordneten zu folgenden Themen:

Cannabis erlauben?Grüne Gentechnik – Fluch oder Segen?Quote für deutsche Musik im Radio?Immer unter Kontrolle – Google Street View?Gemeinschaftsschule – eine Schule für alle? Und Energy Drinks – Freigabe erst ab 18?.

Die Legalisierung von Cannabis wollte eine Mehrheit nur für medizinische Zwecke genutzt sehen. Gentechnik in der Landwirtschaft lehnten fast alle Nachwuchs-Parlamentarierinnen ab. Auch bei einer Deutschquote für Radiosender waren sich fast alle einig und stimmten dagegen. Kontrovers wurde das Thema Energy Drinks ab 18 diskutiert. Am Ende sprach sich die Mehrheit gegen eine Altersbeschränkung aus – genauso wie gegen die Gemeinschaftsschule übrigens. Von Politikverdrossenheit war hier übrigens nicht das Geringste zu spüren.

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„Momo” – Impresssionen von unse­rer Thea­ter­auf­füh­rung …

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momo – collage

Am 16.09.2016 begann der Sozialkundeunterricht für die Jahrgangsstufe 12 am BvSG mit dem Europatag als Auftaktveranstaltung. Nach einer 30-minütigen Einführungspräsentation mit Herrn Sand, welche einen Überblick über die EU gab und aktuelle Probleme aufzeigte, entspann sich eine Diskussion mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Georg Nüßlein.

Europatag mit MdB Dr. Georg Nüßlein

Die existenziellen Herausforderungen der Europäischen Gemeinschaft, vom Brexit, dem drohenden Austritt Großbritanniens, über das schlechte Image der EU-Institutionen und die Eurokrise bis hin zur Flüchtlingskrise wurden diskutiert. Herr Nüßlein betonte hier, dass er ein großer Fan der europäischen Idee sei, war jedoch an vielen Stellen sehr kritisch, z.B. bezüglich der Rolle der Türkei in der Flüchtlingskrise. Er zeigte auch auf, dass die Migrationsströme aus Afrika erst am Beginn stünden und wir in Europa nicht gleichzeitig Einwanderungsländer und Sozialstaaten seien könnten. Alle Länder, die Einwanderungsländer seien, wären eben keine Sozialstaaten in unserer Ausprägung.

Des Weiteren warb er für eine scharfe Trennung von gesteuerter Zuwanderung und der zeitweisen Aufnahme von Schutzbedürftigen aus Kriegsgebieten. Kontrovers erwies sich die Diskussion über den Umgang der europäischen Gesellschaften mit Menschen aus uns fremden Kulturen. Dinge wie die Verheiratung Minderjähriger, Gesichtsverschleierung oder das Tragen des Burkini – das inzwischen an einigen französischen Stränden untersagt ist – stießen auf unterschiedliche Bewertungen. Seiner Auffassung nach sollte sich die EU auch auf die wesentlichen Grundideen, z.B. die Sicherung des Friedens auf dem Kontinent und den Binnenmarkt konzentrieren, da eine größere Integration von allen anderen Nationen mit Ausnahme der Deutschen kaum gewünscht sei. In Deutschland herrsche aufgrund der Geschichte des Dritten Reichs eine größere Bereitschaft den Nationalstaat in einem gemeinsamen Europa aufgehen zu lassen, als in anderen Ländern.

Auch sollte der Wettbewerb innerhalb Europas nicht durch Regulierungen geschwächt werden und einige Länder, wie Griechenland würden ohne Austritt aus dem Euroraum nicht mehr auf die Füße kommen. Der Brexit, so betonte er abschließend, solle als Weckruf verstanden werden und Europa müsse sich auf Wesentliches konzentrieren, um dessen Errungenschaften zu retten.

Am 13.Oktober 2016 inter­view­ten zwei Schü­le­rin­nen der 10a Frau Deli­göz mit Fra­gen zum
Bur­ka­ver­bot, der Inte­gra­tion von Flücht­lin­gen und der regio­na­len Ener­gie­ver­sor­gung.

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Steckbrief

Schülerinterview mit MdB Ekin Dekligöz

Warum sind Sie Politikerin geworden?

Warum wird man überhaupt Politikerin? Man interessiert sich für Politik. Ich bin in einer Zeit groß geworden, als es in der Region hier sehr aufgeladen war. Das heutige Wiley war Zielgebiet Nummer eins im Kalten Krieg und es gab eine sehr große Friedensbewegung. Darunter befanden sich auch viele Schüler und Schülerinnen und ich war eine davon! Dann kamen verschiedene Themen dazu! Ich habe Frösche gerettet, Öko-Wiesen gepflanzt und das Thema Frauenrechte war schon immer ganz groß bei mir. “

Warum genau haben Sie sich den Grünen angeschlossen?

„Die Grünen haben sich in den 80er-Jahren gegründet und ich bin in den 90er-Jahren dazu gestoßen und habe die Grüne Jugend selber mit gegründet. Wir waren sehr ungeduldig und wollten nicht nur zuhören, sondern selber reden. Eine Mitmachpartei. Da waren die Grünen sehr ansprechend. Außerdem bin ich durchs Elternhaus geprägt, da mein Stiefvater schon Mitglied bei den Grünen war.“

Was wollen Die Grünen direkt hier im Bereich Neu-Ulm, Ulm erreichen?

„Der Atomausstieg ist hier schon ein sehr großes Thema mit Gundremmingen vor der Nase. Dabei müssen wir die neuen Energiequellen etablieren. Das zweite Thema ist „Wie sieht die Landwirtschaft der Zukunft in Bezug auf TTIP und Gentechnik aus? Was kann man machen, damit die Kleinbauern nicht aussterben?“ TTIP unterstützt große Unternehmen und die Kleinbauern werden nicht mehr von ihren Erzeugnissen leben können. Jedoch sind die eigentlichen Themen eher sowas wie öffentlicher Nahverkehr, überhaupt Verkehrspolitik. Beispielsweise die Eisenbahnstrecke nach Weißenhorn. Ich kann mich noch erinnern wie die ersten Züge nur bei besonderen Events gefahren sind und die Leute uns belächelt haben. Jetzt sind die Züge voll, ich bin gerade erst wieder hierher mit dem Zug gefahren und ich bin gestanden! Ein wichtiger Punkt sind zudem natürlich noch Bildung und Integration. “

Arbeiten Sie mit einer anderen Partei zusammen und bestehen irgendwelche Koalitionen?

„Punktuell, thematisch ja. In Bezug auf fairen Handel wird jetzt ein Antrag beim Stadtrat in Senden eingebracht. Dabei geht es darum, dass vor allem die lokalen Unternehmen unterstützt werden, beispielsweise Agenda Gruppen. Und dieser Antrag kam schwarz-grün, d.h. von der CSU und den Grünen. Bei anderen Themen wie z.B. Bildung, Rechte von Schwulen und Lesben und der bunten Gesellschaft arbeite ich sehr gerne mit dem Kollegen Brunner zusammen!“

Was macht Ihnen am meisten Spaß bei Ihrer Arbeit?

„Ich treffe sehr viele Menschen, was sehr spannend ist. Außerdem lernt man immer viel dazu. Und ein ganz großer Punkt sind die Feedbacks, die einen aufbauen und motivieren weiterzumachen. “

Wie ist Ihre Karriere verlaufen?

„Ich war zuerst in der Grünen Jugend und bin dann anschließend zum studieren nach Konstanz gegangen. Ich war sehr viel in der Partei engagiert. Aber ein Kommunalmandat oder anderes konnte ich natürlich nicht kriegen, weil ich sehr lange Zeit noch den türkischen Pass hatte. Aber kurz nach meiner Einbürgerung kam der Punkt der Wahlen bei denen ich kandidiert habe und ab da ging es rasend schnell!“

Wie lange sind Sie schon bei den Grünen tätig?

„Seit 1989. Also ungefähr in eurem Alter habe ich angefangen!“

Was haben Sie schon alles mit der Partei erreicht?

„Das Bewusstsein im Leben der Menschen. Wenn sie einkaufen gehen, dass sie beispielsweise schauen, ob das Produkt biologisch oder regional ist. Ober sie lieber Kartoffeln aus Holland kaufen oder die vom Bauern aus Günzburg! Natürlich auch Gewaltschutzrechte! Es ist nicht selbstverständlich, dass Frauen, wenn sie zu Hause geschlagen werden, die Polizei rufen und auch Unterstützung kriegen. Dass neue Technologien entstanden sind, wie erneuerbare Energien!“

Denken Sie, dass es möglich ist die Region ohne Atom- und Kohlekraftwerke zu versorgen?

„Letzten Freitag hatten wir in Leipheim eine größere Veranstaltung zu einem Biogaskraftwerk, das die SWU Ulm bauen wird. Und ja, absolut. Wir kriegen das hin! Wir würden das auch jetzt schon hinkriegen!“

Warum sollten vor allem junge Wähler Ihre Partei wählen?

„Ich glaube, das ist die Entschlossenheit mit der wir uns an ungewöhnliche Wege machen! Es ist einfach schnelle Lösungen zu finden, aber oftmals sind diese nicht langfristig tragfähig! Beispielsweise investiert die Bundesregierung Millionen in Kernfusionsforschung, obwohl diese in Deutschland niemals angewendet werden wird. Die Zukunft liegt woanders! Oder auch so was wie Freiheitsrechte. Stellt euch mal vor überall wären Kameras und ihr hättet überhaupt keine Privatsphäre mehr. Manche Rechte, die so selbstverständlich sind, die vermisst man erst wieder wenn man sie nicht mehr hat! Diese Rechte verteidigen wir und kämpfen dafür!“

Was halten Sie von dem umstrittenen Thema des Burkaverbots?

„Ich glaube, dass dies nicht Entscheidungen der Gerichte sind. Es gibt bestimmte Orte, da ist es ganz klar geregelt. Beim Grenzübertritt muss der Beamte das Gesicht der Frau sehen, um ihre Identität zu bestätigen und, dass wir bei unseren Beamten so etwas nicht dulden, ist für mich auch klar, denn ich persönlich möchte keine Polizistin in der Burka und auch keine Lehrerin. Für uns hat Kommunikation sehr viel mit dem Gesicht zu tun und ich persönlich lehne es ab. Aber ob eine Frau auf der Straße mit einer Burka laufen kann oder nicht, dass werden wir nicht mit Gerichten entscheiden, sondern gesellschaftlich durch Diskussionen. Allerdings würde ich es nicht verbieten, denn dann geht die Frau erst recht nicht mehr auf die Straße, weil sie womöglich einen Ehemann hat, der sie dann verprügelt. Durch ein Verbot macht man diese Frauen nur zu Opfern.“

Was ist Ihnen am wichtigsten an ihrem Beruf?

„Ich will, dass es uns auch in Zukunft gut geht. Euch und meinen Kindern, dass ihr die Freiheiten, so etwas wie Freizügigkeit oder Sicherheit, auch noch morgen und übermorgen haben werdet oder wenn ihr so alt seid wie ich. Dass ihr als Mädchen auf der Straße frei rumlaufen könnt wie ihr wollt, kurze Röcke und Hosen, dass ist eure Entscheidung, ihr sollt von nichts abgehalten werden. Und dass wir morgen auch noch gesund sind, dass wir nicht um sauberes Wasser kämpfen müssen oder mit Masken rumlaufen müssen, weil die Luft so schlecht ist. Es geht uns schon gut, aber wenn wir wollen, dass es uns auch morgen noch gut geht müssen wir ein paar Sachen verändern. Wenn man an dem festhält, das schon immer war, dann erneuert man sich nicht. Und damit es uns morgen gut geht, müssen wir uns erneuern.“

Wie denken Sie wird sich das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft durch die Flüchtlinge verändern?

„Im Moment ist es sehr besorgniserregend. Wir wissen schon langer, dass dieses rechte Gedankengut menschenfeindlich ist. Das betrifft Immigranten, Menschen mit Behinderung, etc. Neulich erst gab es eine Studie über Gewalt gegenüber Minderheiten, wer wird angegriffen? Da stand zum Beispiel drin, dass Menschen mit dunklen Haaren, egal woher sie kommen oder wer sie sind, öfters Opfer von Gewalt werden. Oder Menschen, die den Anschein erwecken, behindert zu sein. Es ist ja schon schlimm genug, dass man Behinderten gegenüber Gewalt anwendet, aber dies an Optik fest zu machen ist einfach nur absurd. Insgesamt nimmt die Hasskriminalität in Deutschland zu. Im letzten Jahr waren das über 6000 Übergriffe aufgrund von Hasskriminalität, Haarfarbe, Aussehen, Zugehörigkeit, etc. Das ist besorgniserregend und führt nicht gerade dazu, dass die Gesellschaft zusammenwächst. Da stellt sich die Frage, wie soll man reagieren? Man kann den Kopf in den Sand stecken und sagen „Hoffentlich geht es an mir vorbei“, man kann sagen „Wir sperren alle weg“. Das wird allerdings nicht funktionieren, denn man weiß von vornherein ja nicht, wer der Täter ist. Man kann alle Grenzen schließen, aber das bringt auch nichts. Von daher bleibt nur noch eins übrig, der mühsame Weg. Die Leute informieren, was ist eigentlich deutsche Geschichte? Sensibilität und Verantwortung. Eine Stunde Sozialkunde pro Woche ist zu wenig! Ihr müsst die Nachrichten verstehen und die geschichtlichen Hintergründe kennen. Die Geschichte kann man nicht verändern, aber für die Zukunft kann man Verantwortung übernehmen. Und letztendlich wird der Zusammenhalt gestärkt, wenn die Menschen sich begegnen. Denn erst wenn man gemischte Teams hat, hat man einen anderen Blickwinkel auf die Dinge. Und wenn man Krisen überstehen will, braucht man viele unterschiedliche Menschen.“

Welche Qualitäten muss jemand haben, um Politiker zu werden?

„Auf jeden Fall Sitzfleisch, denn unsere Sitzungen sind echt lange. Und viel Durchhaltevermögen. Einen inneren Kompass, ich weiß wo für ich stehe, dafür streite ich auch und ich lasse mich nicht beirren, dann wenn es schwer wird. Ich kann mich an Veranstaltungen erinnern, bei denen ich gegen Atomkraft geredet habe und mir hunderte Leute „Buh“ zugerufen haben. Da zu stehen und zu sagen ich stehe trotzdem zu meiner Meinung ist manchmal nicht so einfach. Überzeugungskraft und die Bereitschaft immer wieder dazu zu lernen, man muss immer sich selbst weiterbilden, lesen und informieren. Die Bereitschaft auf andere zuzugehen und von ihnen dazu zu lernen. Ich bin nicht Gott, meine Meinung ist nicht allgegenwärtig, ich kann mich irren, denn ich bin nur ein Mensch, dieses Irren kann ich nur dadurch korrigieren, indem ich dazulerne.“

Frau Deligöz, Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führten Lea Karrasch und Celine Fleig, Klasse 10A am 13. Oktober 2016

Wohin fließt der Erlös aus dem Weihnachtsbasar? Die Schüler der 5. Klassen wurden darüber vom Leiter unserer Partnerschule in Bolivien sehr eindrucksvoll informiert.

Besuch aus Bolivien am BvSG

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13 000 km weit entfernt liegt das Land, in dem sich die Partnerschule des BvSG befindet, die mit dem am Weihnachtsbasar eingenommenen Geld unterstützt wird. Frank Weber lässt die Schüler in seinem Vortrag dieses Land, Bolivien, erst einmal auf dem Globus verorten und tatsächlich schaffen die Kinder es gemeinsam, alle fünf angrenzenden Länder benennen.

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Sehr anschaulich vermittelt Frank Weber den Fünftklässlern, was ihn vor mehr als 30 Jahren veranlasste, in Bolivien zu bleiben. Als Student reist er nach Cochabamba, einer Stadt mit knapp 700.000 Einwohneren, und erlebt dort, wie viele Kinder auf der Straße leben. Er erzählt, wie er eines Tages beschließt, das Schicksal der Straßenkinder zu teilen und für vier Monate mit ihnen ohne Obdach zu leben.

Anschließend kauft er ein altes Haus und renoviert dieses gemeinsam mit den Straßenkindern. Nach zwei Jahren haben dort 37 ehemalige Straßenkinder ein Dach über dem Kopf. Im Jahre 1988 folgt die Gründung einer Schule, dem Centro Educativo Richard-von-Weizsäcker, der ersten und einzigen Privatschule für Kinder aus sozial schwachen Familien, die mittlerweile um die 700 Schüler besuchen.

Das Bertha-von-Suttner Gymnasium unterstützt seine Partnerschule in Bolivien auch in diesem Jahr mit dem am Weihnachtsbasar eingenommenen Geld. Für Freitag, 9.12.2016, haben die Schüler sich einiges einfallen lassen, um die Besucher des Basars zu unterhalten und zu verköstigen. Von 14.30 bis 17.30 kann man nicht nur Weihnachtsbasteleien, von Schülern selbst gefertigte Taschen und Plätzchen kaufen, sondern sein Glück auch bei einer Tombola versuchen.

Hungern war gestern

Im Rahmen der Suchtprävention kam am 8.7.2016 Kera Rachel Cook zu uns ans BvSG. Frau Cook war 2010 Kandidatin bei „Germanys Next Top Model (GNTM)“ und danach international erfolgreiches Plus Size Model. Heute ist sie Fitnesstrainerin, Ernährungsberaterin und bekannt aus Film und Fernsehen in ihrer Funktion als „Botschafterin für Gesundheit und Selbstliebe“.

Vor den Schülerinnen und Schülern der 7. Und 8. Jahrgangsstufe hielt sie einen Vortrag zu dem Thema: „Hungern war gestern – Warum Gesundheit so viel wichtiger als Schönheit ist“.

Dabei erzählte sie von eigenen Erfahrungen mit der Essstörung Bulimie und über den Gebrauch von Photoshop in medial verbreiteten Modebildern. Es wurde thematisiert, wie diese nachbearbeiteten Bilder die Körperwahrnehmung von Jugendlichen beeinflussen und wie wichtig es ist, sich für Selbstakzeptanz zu entscheiden. Dem Vortrag folgte eine freiwillige Fragerunde.

Ein erneuter Besuch von Kera Rachel Cook ist für Herbst 2017 geplant.

Lore Kindermann

Preise für Nachwuchs-Mathematiker und Nachwuchs-Künstler gab es wie immer beim Sommerfest.

Die Erstplatzierten beim Känguru-Mathematikwettbewerb und Frau Gruber:

Die Zweitplatzierten beim Känguru-Mathematikwettbewerb und die Organisatorin Frau Sauter:

Die Preisträger des Bertha-Boesner-Preises mit Organisatorin Frau Kindermann: